Benzin und Dieselpreise auf den Philippinen im April 2026

Diesel-Schock auf den Philippinen – oder: Wenn der Tricycle-Fahrer plötzlich Betriebswirt wird

Manchmal reicht ein kurzer Blick auf die Tankstelle, um zu wissen: Heute wird kein guter Tag. Genau so ein Moment war es, als ich die aktuellen Benzin- und Dieselpreise hier auf den Philippinen gesehen habe. Besonders der Dieselpreis lässt einen schlucken – knapp 150 Peso pro Liter. Umgerechnet etwa 2,20 € und damit auf deutschem Niveau. Auf den Philippinen. Ich wiederhole: Auf den Philippinen.

Noch vor der Irankrise lag der Dieselpreis bei rund 60 Peso. Also ungefähr die Hälfte des deutschen Preises zu der Zeit. Damals hat man beim Tanken noch kurz gegrinst, heute überlegt man, ob man den Motor lieber anschiebt und bergab wohnt. Der Preissprung ist nicht nur eine Zahl auf der Anzeige – er zieht sich durch den gesamten Alltag wie ein roter Faden.

Fast alles fährt mit Diesel

Denn hier fährt fast alles mit Diesel. Jeepneys, Busse, Lieferfahrzeuge, Fähren – wenn es Räder hat oder schwimmt, läuft es wahrscheinlich mit Diesel. Und wenn Diesel teurer wird, wird alles teurer. Der Tricycle-Fahrer wird plötzlich zum Finanzexperten und erklärt einem beim Einsteigen, warum der Preis jetzt leider „slightly higher“ ist. „Slightly“ bedeutet in diesem Fall: fast doppelt so teuer, aber mit freundlichem Lächeln.

Auch die Fähren ziehen nach. Verständlich – schließlich fahren sie nicht mit Kokoswasser. Die Schnellfähre (OceanJet) von Tagbilaran nach Cebu kostet jetzt ca. 1334 Peso One Way!

Und wenn die Fähren teurer werden, werden auch Lebensmittel teurer, Baumaterial teurer, eigentlich alles teurer. Selbst der Fisch scheint plötzlich mehr zu kosten, obwohl der eigentlich direkt aus dem Meer kommt und nicht aus der Raffinerie.

Der öffentliche Nahverkehr passt sich natürlich ebenfalls an. Jeepney-Fahrten steigen, Buspreise steigen, Taxis rechnen neu. Der Taxifahrer drückt auf den Startknopf des Taxameters und man hat das Gefühl, er startet gleichzeitig einen Börsenticker. Jede rote Ampel wird zur finanziellen Herausforderung. „Traffic“ bedeutet jetzt nicht mehr nur Stau, sondern auch steigende Kosten.

Für viele Filipinos ist das fatal. Während wir Europäer über hohe Spritpreise schimpfen, verdienen viele Menschen hier am Tag weniger als ein voller Tank kostet. Wenn dann Transportkosten steigen, trifft das direkt den Alltag: der Weg zur Arbeit, der Einkauf, der Schulweg der Kinder – alles wird schwerer.

Und als wäre das nicht genug, stehen wir auch noch kurz vor unserer Rückkehr nach Deutschland. Theoretisch. Denn gleichzeitig kursieren weiterhin Gerüchte, dass diverse Airlines ihre Langstreckenflüge streichen könnten. Sollte das passieren, säßen wir hier fest. Klingt dramatisch – fühlt sich aber überraschend entspannt an.

Ob das gut oder schlecht wäre, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Ein Teil von mir denkt: Ach, dann bleiben wir halt. Mehr Mango, mehr Sonne, mehr Gelassenheit. Der andere Teil erinnert mich daran, dass in Deutschland noch Verpflichtungen warten. Termine. Papierkram. Dinge, die vermutlich auch teurer geworden sind – nur ohne Palmen.

Laut Bild: Straße von Hormus schon wieder dicht!

Und während wir darüber nachdenken, ob wir überhaupt noch wegkommen, kommt die nächste Meldung: Die Straße von Hormus ist schon wieder dicht. Das ist ungefähr so, als würde man beim Blick auf die Tankanzeige feststellen, dass jemand zusätzlich noch den Tank angebohrt hat. Bedeutet im Klartext: Die Preise könnten weiter steigen. Der Tricycle-Fahrer von heute wird morgen vermutlich Professor für Makroökonomie.

Perfektes Timing also, denn heute Abend steigt auch noch unsere große Abschiedsparty. Während wir versuchen, uns von allen zu verabschieden, rechnen vermutlich im Hintergrund schon einige aus, wie viele Liter Diesel der Heimweg kostet. Die gute Nachricht: Auf philippinischen Partys geht sowieso niemand früh nach Hause. Die schlechte Nachricht: Diesmal vielleicht aus finanziellen Gründen.

Vielleicht wird es also keine Abschiedsparty, sondern eine „Wir bleiben halt doch hier“-Party. Auch nicht schlecht. Dann müssen wir morgen niemandem erklären, warum wir noch da sind. Wir zeigen einfach auf die Zapfsäule und sagen: „Der Ölpreis hat entschieden.“

Vielleicht ist das die eigentliche Lektion dieser Tage: Egal ob Deutschland oder Philippinen – teuer wird es sowieso. Der Unterschied ist nur, ob man sich darüber im Stau bei grauem Himmel ärgert… oder mit Meerblick, Partybeleuchtung und einer frischen Kokosnuss in der Hand.

Ich glaube, ich weiß, was mir lieber wäre.